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Jan Böhmermanns Schmähkritik - was darf Satire?
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Olaf
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Beitrag #1 down up
Forum Weltgeschehen Jan Böhmermanns Schmähkritik - was darf Satire?

Quelle: www.nzz.ch

von Sieglinde Geisel

Jan Böhmermanns Schmähgedicht auf den türkischen Staatspräsidenten spielt auf der ganzen Klaviatur der Satire. Erwartungsgemäss haben alle Beteiligten die für sie vorgesehene Rolle gespielt.

Autokratische Staaten erkennt man daran, dass sie das freie Wort mehr fürchten als alles andere. In einer Demokratie wiederum gehört die Redefreiheit zu den nicht verhandelbaren Grundrechten. Sie kann allerdings in Konflikt mit anderen Grundrechten geraten: dann nämlich, wenn es sich um eine Schmähkritik handelt, die nicht auf einen Sachverhalt abzielt, sondern auf die Herabwürdigung der Person. Was darf Satire? Nach dem «Schmähgedicht» des deutschen Fernsehkabarettisten Jan Böhmermann über den türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan wird in Deutschland wieder einmal über diese Frage diskutiert.

In der Praxis ist die Unterscheidung von Satire und Schmähkritik kaum haltbar. Das Wesen der Satire besteht darin, dass sie eine Person oder deren Handeln dem Gelächter preisgibt. Ohne ein Element der Schmähung ist dies kaum möglich. Gerade aus der Schmähung bezieht die Satire ihre ätzende Wirkung: Scham bedroht den Beschämten mit dem sozialen Tod, deshalb ist Beschämung die verheerendste Waffe im sozialen Alltag.

Nichts vermag Macht so wirkungsvoll zu untergraben wie eine gelungene Satire. Ein Machthaber, über den man Witze macht, verliert seine Autorität – es sei denn, seine Macht gründe sich auf eine Legitimation ausserhalb ihrer selbst, beispielsweise auf den Rückhalt in der Bevölkerung. Dies ist der tiefere Grund dafür, dass Demokratien grundsätzlich anders mit Satire umgehen als Autokraten. Ihnen fehlt überdies die Erfahrung mit dem Spiel der Satire. Mit seinem patriarchalischen «Das lasse ich mir nicht bieten»-Aufschrei ist Erdogan auf das Spiel hereingefallen, zu dem ihn der listige Jan Böhmermann eingeladen hat. In diesem Spiel sind für den Angegriffenen nur Eigentore möglich: Wer sich gegen eine Satire wehrt, wird zum Komplizen seiner eigenen Herabwürdigung – nicht zuletzt, weil jede Empörung das Feuer der unwillkommenen Aufmerksamkeit heller lodern lässt.

Jan Böhmermann ist in diesem Spiel versiert wie kaum ein anderer Satiriker in Deutschland. Mit seinem offen deklarierten «Schmähgedicht» hat er der Spirale eine weitere Drehung versetzt. Schon der ausdrückliche Verweis darauf, dass er mit der Schmähung eines ausländischen Staatsoberhaupts möglicherweise eine Straftat begehe, ist eine Finte im Spiel. Denn der Paragraf 103 des deutschen Strafgesetzbuchs, aufgrund dessen derzeit offenbar gegen Böhmermann ermittelt wird, verbietet die Beleidigung von ausländischen Staatsoberhäuptern nur dann, wenn diese sich im Inland aufhalten.

Die Zeilen von Böhmermanns inkriminiertem Schmähgedicht sind von ausgesuchter Geschmacklosigkeit. «Erdogan ist voll und ganz / ein Präsident mit kleinem Schwanz.» Das ist Schmähkritik, voll und ganz, denn die Penislänge eines Präsidenten (wie sexistisch!) hat mit seiner Amtsausübung nicht das Geringste zu tun. Doch diese Geschmacklosigkeit ist ebenso inszeniert wie der Verweis auf das vermeintliche Verbot – wir haben es mit einer Meta-Satire auf die Geschmacklosigkeit zu tun und auf alle, die so etwas verbieten wollen.

Böhmermanns satirische Unverfrorenheit bringt vieles zutage: beispielsweise die Sollbruchstelle der Demokratie im Kontakt mit autoritären Regimen. Satire habe diese Woche «fast den dritten Weltkrieg ausgelöst, dafür erst mal Applaus!», so Böhmermann in seiner Sendung. Angela Merkels diplomatischer Beschwichtigungsversuch zeigt eine problematische Bereitschaft, an Grundrechte zu rühren, um aussenpolitische Spannungen beizulegen. Dass die Kanzlerin im Telefongespräch mit dem türkischen Ministerpräsidenten betonte, die Pressefreiheit habe für die Bundesregierung einen «hohen Wert», ändert nichts am Sündenfall. Sie hat sich auf das Spiel eines Machthabers eingelassen, der meint, er dürfe Spott auf seine Person verbieten.

Der Weser-Kurier bezeichnet Böhmermann als Quotenkasper
Kommentar: Quengeliger Quotenkasper von Iris Hetscher 09.04.2016

Da hat sich wohl jemand vergaloppiert. Jan Böhmermann, der sich bis vor Kurzem in seinem Ruf als rotzfrecher Medienkobold sonnen konnte, hat sich mit seinen Verbalinjurien gegen den türkischen Präsidenten zum quengeligen Quotenkasper degradiert. Und das alles, weil ein Satiriker (Böhmermann) nicht ertragen konnte, dass andere Satiriker (das Team von Extra3) auch mal eine gute Idee hatten. Deren schlau-humoriges Video „Erdowie, Erdowo, Erdogan“ wurde zum Hit im Netz und sorgte tagelang für diplomatische Verwicklungen.

In deren Verlauf erwies sich Erdogan als genauso wie in der Persiflage dargestellt: autoritär, größenwahnsinnig. Touché. So etwas kann jemand, für den mediale Aufmerksamkeit Grundnahrungsmittel ist, nicht auf sich sitzen lassen. Böhmermanns sogenanntes Schmähgedicht war ein kalkulierter Coup, die Aneinanderreihung rassistischer Beleidigungen hat mit Satire und Austesten von Meinungsfreiheit nichts zu tun, sondern ist im wohlmeinendsten Fall infantil. Umso peinlicher geriet seine Selbststilisierung zum Märtyrer öffentlich-rechtlicher Fernsehwillkür, als das ZDF den Beitrag völlig zu Recht aus der Mediathek löschte. Böhmermann wollte „Zensur!“ schreien, das ZDF tat ihm den Gefallen.
.

Für mich hat Böhmermann mit seiner "Provokation" bewiesen, dass selbst in Deutschland freie Meinungsäußerung nicht möglich ist, die Medien zensiert und überwacht werden. Das er jetzt strafrechtlich verfolgt wird macht ihn sicher nicht zum Märtyrer, wohl eher zum Propheten!

(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 16.04.2016 15:50 von Olaf.)
11.04.2016 00:41
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Olaf
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Beitrag #2 down up
RE: Jan Böhmermanns Schmähkritik - Video

Die Schmähkritik

ich habe das Video auf meinen Webspace geladen, wer weiß schon, wie lange es im Netz noch verfügbar ist.


Sicher, die Ausdrucksweise, welche Jan Böhmermann verwendet ist sehr vulgär, aber es ist Satire.

Nachdem Frau Merkel die Strafverfolgung nach StGB &103 ermöglicht, ahne ich jetzt schon, wie die nächstjährigen Bundestagswahlen verlaufen werden. Fr. Merkel hat sich einen Diktator selbst ans Messer geliefert und die Rechtsstaatlichkeit in Deutschland untergraben, selbst aber behauptet sie, sie wäre in einer Diktatur aufgewachsen. Viel Spaß beim Kennenlernen zwischen deutschen Sozialismus und Erdoganischer Presse- und Meinungsfreiheit.

(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 16.04.2016 15:58 von Olaf.)
16.04.2016 14:14
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hinz
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Beitrag #3 down up
RE: Jan Böhmermanns Schmähkritik - was darf Satire?

Naja, das sehe ich ein bisschen anders. Sicherlich hat Merkel sich beim extra 3 Video falsch verhalten. Denn, wenn sie dort konsequent gewesen wäre, hätte es das Schmähgedicht vermutlich nicht gegeben.

Mit ihrem Votum nun zeigt sie Erdogan eigentlich, wie ein Rechtsstaat funktioniert. Ich finde den Kommentar der FAZ ziemlich passend und gut:

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/bo...ml#GEPC;s2


Die Satirezeitung Titanic hat auch ein witziges Schmährkelgrdicht verfasst : http://www.titanic-magazin.de/news/achtu...icht-7997/

16.04.2016 18:47
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Olaf
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Beitrag #4 down up
RE: Jan Böhmermanns Schmähkritik - was darf Satire?

Nur sag doch mal ehrlich, die Merkel sagt erst, daß der Verfolgung statt gegeben wird um anschließen zu erklären, warum der Paragraph 103 überholt ist und abgeschafft gehört bzw. werden soll. Ansonsten bin ich deiner Meinung, hätte Merkel nicht selbst soviel Wind wegen den Extra 3 Video gemacht, wäre es zu der "Böhmermann Satire" nie gekommen.

Wäre nicht Erdogan der Kläger, so gäbe es auch keine Böhmermann Krise - nur in diesen Konstelation war es möglich, soviel Staub aufzuwirbeln.

Die Merkel ist dabei, die deutsche Pressefreiheit, soweit es diese noch gibt, aufs Spiel zu setzen. Erstaunlich ist, daß sich das Volk jetzt mit jenen solidarisiert, die vor Wochen bei Demos noch als Lügenpresse verschien wurden. Diese Welt ist verrückt ...

Hier mal noch das Merkelgedicht von Titanic:

Bewußt verletzend ihr Geschwätz.
Hört man ihr zu, kriegt man die Krätz'.
Jeder "Satz" ist ein Verbrechen,
sogar LeFloid kann besser sprechen.

Bewußt verletzend das Gesicht.
Bewundernswert, wer da nicht bricht.
Der Ziegenficker sucht das Weite,
weil dieser sonst vor Ekel speite.

Bewußt verletzend ihr Gestank:
nach Mottenkugeln/Kleiderschrank,
Kartoffelsuppe/Futtgerüche –
Sie riecht wie eine Dönerküche.

Sie ist der Mann, der Mädchen streichelt
und dabei wie ein Rindvieh speichelt.
Am liebsten mag sie Extra Drei
und Diktator'n mit einem Ei.
Gauck, Ulbricht, Kohl und Erdogan
sind nur ein paar, die "drinne" war'n.
Und dieses ganz besond're Ferkel
ist Kanzlerin und heißt: Frau Merkel.


Ggenüber Böhmermann hat Titanic Niveau und verzichtet weitestgehend auf Vulgärsprache.

(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 16.04.2016 23:20 von Olaf.)
16.04.2016 23:09
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Beitrag #5 down up
RE: Jan Böhmermanns Schmähkritik - was darf Satire?

Ich bin kein Fan von Merkel, aber ich finde die aktuelle Lösung eigentlich am besten. Klar ist es ein Witz, wenn dieser Uralt Paragraph abgeschafft wird.
Bin aber der Meinung, wenn sie sich konkret eingemischt hätte, dann wäre es genau das, was Erdogan in der Türkei macht. So lässt sie die Entscheidung der Justiz und nicht der politik. Denn es ist absolut richtig von ihr die Entscheidung nicht politisch zu machen sondern die Justiz entscheiden zu lassen, so wie es im GG steht. Hiermit zeigt sie nämlich Erdogan, wie es richtig geht.

Wie es zu dieser Situation gekommen ist ist ein absolut anderes Thema, da hat sie sich definitiv nicht geschickt angestellt. Wichtig ist nun, dass sie bei ihrem Türkeibesuch in der nächsten Woche, ganz deutlich macht, was sie von Presse und Meinungsfreiheit hält und wie es damit in der Türkei steht.

17.04.2016 12:18
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Olaf
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Beitrag #6 down up
RE: Jan Böhmermanns Schmähkritik - was darf Satire?

Ob sie letzteres so anprangern wird, bezweifle ich. Die EU hat sich der Türkei ausgeliefert und ich befürchte, das Erdogan daß nicht nur Deutschland sondern allen in der EU es spüren lassen wird. Im Prinzip ist er im Besitz des Schlüssels für die Pforte zu Europa - wer da denkt, das nutzt er nicht für seine Zwecke, der ist entweder ein Gutmensch durch und durch oder aber lebt im Vatikan.

Hier noch einmal das komplette Video von Böhmermanns Sendung:


Oliver Kalkofes Kommentar:



18.04.2016 01:06
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