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Jan Böhmermanns Schmähkritik - was darf Satire?
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Forum Weltgeschehen Jan Böhmermanns Schmähkritik - was darf Satire? • 11.04.2016 00:41

Quelle: www.nzz.ch

von Sieglinde Geisel

Jan Böhmermanns Schmähgedicht auf den türkischen Staatspräsidenten spielt auf der ganzen Klaviatur der Satire. Erwartungsgemäss haben alle Beteiligten die für sie vorgesehene Rolle gespielt.

Autokratische Staaten erkennt man daran, dass sie das freie Wort mehr fürchten als alles andere. In einer Demokratie wiederum gehört die Redefreiheit zu den nicht verhandelbaren Grundrechten. Sie kann allerdings in Konflikt mit anderen Grundrechten geraten: dann nämlich, wenn es sich um eine Schmähkritik handelt, die nicht auf einen Sachverhalt abzielt, sondern auf die Herabwürdigung der Person. Was darf Satire? Nach dem «Schmähgedicht» des deutschen Fernsehkabarettisten Jan Böhmermann über den türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan wird in Deutschland wieder einmal über diese Frage diskutiert.

In der Praxis ist die Unterscheidung von Satire und Schmähkritik kaum haltbar. Das Wesen der Satire besteht darin, dass sie eine Person oder deren Handeln dem Gelächter preisgibt. Ohne ein Element der Schmähung ist dies kaum möglich. Gerade aus der Schmähung bezieht die Satire ihre ätzende Wirkung: Scham bedroht den Beschämten mit dem sozialen Tod, deshalb ist Beschämung die verheerendste Waffe im sozialen Alltag.

Nichts vermag Macht so wirkungsvoll zu untergraben wie eine gelungene Satire. Ein Machthaber, über den man Witze macht, verliert seine Autorität – es sei denn, seine Macht gründe sich auf eine Legitimation ausserhalb ihrer selbst, beispielsweise auf den Rückhalt in der Bevölkerung. Dies ist der tiefere Grund dafür, dass Demokratien grundsätzlich anders mit Satire umgehen als Autokraten. Ihnen fehlt überdies die Erfahrung mit dem Spiel der Satire. Mit seinem patriarchalischen «Das lasse ich mir nicht bieten»-Aufschrei ist Erdogan auf das Spiel hereingefallen, zu dem ihn der listige Jan Böhmermann eingeladen hat. In diesem Spiel sind für den Angegriffenen nur Eigentore möglich: Wer sich gegen eine Satire wehrt, wird zum Komplizen seiner eigenen Herabwürdigung – nicht zuletzt, weil jede Empörung das Feuer der unwillkommenen Aufmerksamkeit heller lodern lässt.

Jan Böhmermann ist in diesem Spiel versiert wie kaum ein anderer Satiriker in Deutschland. Mit seinem offen deklarierten «Schmähgedicht» hat er der Spirale eine weitere Drehung versetzt. Schon der ausdrückliche Verweis darauf, dass er mit der Schmähung eines ausländischen Staatsoberhaupts möglicherweise eine Straftat begehe, ist eine Finte im Spiel. Denn der Paragraf 103 des deutschen Strafgesetzbuchs, aufgrund dessen derzeit offenbar gegen Böhmermann ermittelt wird, verbietet die Beleidigung von ausländischen Staatsoberhäuptern nur dann, wenn diese sich im Inland aufhalten.

Die Zeilen von Böhmermanns inkriminiertem Schmähgedicht sind von ausgesuchter Geschmacklosigkeit. «Erdogan ist voll und ganz / ein Präsident mit kleinem Schwanz.» Das ist Schmähkritik, voll und ganz, denn die Penislänge eines Präsidenten (wie sexistisch!) hat mit seiner Amtsausübung nicht das Geringste zu tun. Doch diese Geschmacklosigkeit ist ebenso inszeniert wie der Verweis auf das vermeintliche Verbot – wir haben es mit einer Meta-Satire auf die Geschmacklosigkeit zu tun und auf alle, die so etwas verbieten wollen.

Böhmermanns satirische Unverfrorenheit bringt vieles zutage: beispielsweise die Sollbruchstelle der Demokratie im Kontakt mit autoritären Regimen. Satire habe diese Woche «fast den dritten Weltkrieg ausgelöst, dafür erst mal Applaus!», so Böhmermann in seiner Sendung. Angela Merkels diplomatischer Beschwichtigungsversuch zeigt eine problematische Bereitschaft, an Grundrechte zu rühren, um aussenpolitische Spannungen beizulegen. Dass die Kanzlerin im Telefongespräch mit dem türkischen Ministerpräsidenten betonte, die Pressefreiheit habe für die Bundesregierung einen «hohen Wert», ändert nichts am Sündenfall. Sie hat sich auf das Spiel eines Machthabers eingelassen, der meint, er dürfe Spott auf seine Person verbieten.

Der Weser-Kurier bezeichnet Böhmermann als Quotenkasper
Kommentar: Quengeliger Quotenkasper von Iris Hetscher 09.04.2016

Da hat sich wohl jemand vergaloppiert. Jan Böhmermann, der sich bis vor Kurzem in seinem Ruf als rotzfrecher Medienkobold sonnen konnte, hat sich mit seinen Verbalinjurien gegen den türkischen Präsidenten zum quengeligen Quotenkasper degradiert. Und das alles, weil ein Satiriker (Böhmermann) nicht ertragen konnte, dass andere Satiriker (das Team von Extra3) auch mal eine gute Idee hatten. Deren schlau-humoriges Video „Erdowie, Erdowo, Erdogan“ wurde zum Hit im Netz und sorgte tagelang für diplomatische Verwicklungen.

In deren Verlauf erwies sich Erdogan als genauso wie in der Persiflage dargestellt: autoritär, größenwahnsinnig. Touché. So etwas kann jemand, für den mediale Aufmerksamkeit Grundnahrungsmittel ist, nicht auf sich sitzen lassen. Böhmermanns sogenanntes Schmähgedicht war ein kalkulierter Coup, die Aneinanderreihung rassistischer Beleidigungen hat mit Satire und Austesten von Meinungsfreiheit nichts zu tun, sondern ist im wohlmeinendsten Fall infantil. Umso peinlicher geriet seine Selbststilisierung zum Märtyrer öffentlich-rechtlicher Fernsehwillkür, als das ZDF den Beitrag völlig zu Recht aus der Mediathek löschte. Böhmermann wollte „Zensur!“ schreien, das ZDF tat ihm den Gefallen.
.

Für mich hat Böhmermann mit seiner "Provokation" bewiesen, dass selbst in Deutschland freie Meinungsäußerung nicht möglich ist, die Medien zensiert und überwacht werden. Das er jetzt strafrechtlich verfolgt wird macht ihn sicher nicht zum Märtyrer, wohl eher zum Propheten!

(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 16.04.2016 15:50 von Olaf.)
11.04.2016 00:41
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